Miracle within a Miracle: Johannes Reuchlin and the Jewish Book Controversy


Johannes Reuchlin und der Streit um die jüdischen Bücher

Eine Ausstellung zur Erinnerung an Reuchlins Verteidigung jüdischer Schriften

Kuratoren: Valerie Hotchkiss und David Price, University of Illinois in Urbana-Champaign

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Aus: Johannes Reuchlin, Augenspiegel (1511).
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Gibt es einen besseren Weg, den Jahrestag eines berühmten Bücherstreits zu begehen, als eine Buchausstellung? Als Johannes Reuchlin im Jahr 1511 seinen Augenspiegel veröffentlichte, gerade rechtzeitig zur Frankfurter Herbstbuchmesse, war ihm bewusst, dass er damit gewaltigen Aufruhr auslösen würde. Hatte er es doch gewagt, jüdische Schriften – und damit auch den jüdischen Glauben – zu verteidigen, und das gegen die vereinte Macht des deutschen Kaisers und der höchsten kirchlichen Würdenträger in Deutschland. Erstaunlich, oder, mit den Worten Josel von Rosheims, „ein Wunder“, ist es, dass Reuchlin und die Juden obsiegten und die Bücher erhalten blieben. Mit dieser Ausstellung, anhand der Bücher, um die die Kontroverse entbrannte, soll dieser dramatische Augenblick in der Geschichte der deutsch-jüdischen Beziehungen erzählt werden.

Die Ausstellung verdankt sich einer internationalen Zusammenarbeit, an der zwei amerikanische Bibliotheken und drei deutsche Institutionen beteiligt sind. Das Projekt entstand aus Anlass der 500. Wiederkehr des ersten Erscheinens von Reuchlins Augenspiegel und führte zu vier Ausstellungen auf zwei Kontinenten. Zusammengearbeitet haben die Rare Book & Manuscript Library der University of Illinois at Urbana-Champaign, das Hebrew Union College-Jewish Institute of Religion (HUC-JIR) in Cincinnati, Ohio, das Museum Johannes Reuchlin in Pforzheim, das Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main und das Jüdische Museum Frankfurt am Main. Die University of Illinois und die Klau Library am HUC-JIR nennen bedeutende Sammlungen zur Renaissance und zur Geschichte des Judentums ihr eigen. Die Stadt Pforzheim ist Reuchlins Geburtsort. Frankfurt am Main war der bedeutendste Schauplatz der Kampagne, die darauf abzielte, die jüdischen Bücher zu konfiszieren und zu zerstören. Gezeigt werden seltene Exemplare der Streitschriften, die in dieser Auseinandersetzung um die Verbrennung der jüdischen Bücher gewechselt wurden, sowie Urkunden aus der Sammlung des Instituts für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, aus denen der Ablauf des Judenbücherstreits in Frankfurt zu rekonstruieren ist.

Entwickelt wurde diese Ausstellung in Zusammenarbeit mit David Gilner vom HUC-JIR, Fritz Backhaus vom Jüdischen Museum in Frankfurt, Michael Matthäus vom Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main sowie Christoph Timm und Isabel Greschat von der Stadt Pforzheim. Sie soll an Johannes Reuchlin und den Streit um die Judenbücher erinnern, vor allem aber mit Reuchlin einen Mann ehren, der für Toleranz, für den Respekt vor Menschen und Büchern und für die Macht des Wissens eintrat--Werte, die auch heute noch dafür verantwortlich sind, dass Vorurteile in Frage gestellt werden und Verständnis für kulturelle Unterschiede entstehen kann.

Zu den Autoren:

Valerie Hotchkiss ist Direktorin der Rare Book & Manuscript Library an der University of Illinois, Urbana-Champaign. David Price, Professor für Religionswissenschaft und Geschichte an der University of Illinois, ist Autor von Johannes Reuchlin and the Campaign to Destroy Jewish Books (Oxford University Press, 2011).